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ARIVA-Sommerworkshop 2019: Nachhaltiges Investieren gewinnt stark an Bedeutung

An dieser Stelle bieten wir Ihnen eine kurze Zusammenfassung der Referate vom ARIVA-Sommerworkshop 2019.
Teil 3: Vortrag von Ali Masarwah, Morningstar

 

Ali Masarwah, Morningstar Foto: VICO Kiel

 

Immer mehr zum Renner auf dem Finanzmarkt entwickelt sich das Thema Nachhaltiges Investieren. Vermögensgewichtet würden bereits neun Prozent des europäischen Fondsvermögens auf ESG-Fonds (ESG: Environmental, Social, Governance) entfallen, mehr als doppelt so viel wie noch vor zwei Jahren, berichtete Ali Masarwah, Chefredakteur bei Morningstar und Mitglied im europäischen Editorial Research Team des Analysehauses.

 

Noch spannender als die Statistik beim Gesamtvermögen sei der Blick auf die Mittelzuflüsse: In den ersten Monaten dieses Jahres hätten europaweit Fonds mit Nachhaltigkeitsmandat 85 Prozent des Neugeldes angezogen. Das sei in der Höhe vielleicht ein Ausrutscher, es könnten auch andere Faktoren dabei eine Rolle gespielt haben, meint Masarwah. Aber man müsse kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass Nachhaltigkeit in den kommenden Jahren ein wichtiges Thema sein wird – allein schon deshalb, weil die Marktrichtlinie der EU den Anlagenberatern künftig vorschreibe, in Verkaufsgesprächen die Nachhaltigkeitspräferenzen des Kunden abzufragen.

 

Masarwah hatte noch ein paar interessante Statistiken im Gepäck. ESG sei ein Aktienthema, sagte er. Derzeit würden ESG-Fonds in Europa mehr als 60 Prozent ihres Vermögens in Aktien investieren. Aber auch so genannte Green Bonds seien im Kommen. Darüber hinaus werde der überwiegende Teil der ESG-Fonds in Europa aktiv gemanagt. Auf Indexfonds würden nur 13 Prozent des in ESG-Fonds investierten Vermögens entfallen, und davon wiederum sei nur ein Bruchteil ETFs. „Das ist erstaunlich, weil ETF-Anbieter eigentlich sehr schnell bei der Sache sind, wenn es darum geht, Trends zu erkennen“, sagte Masarwah. „Meine Erklärung ist, dass die Indizes einfach noch nicht so weit sind.“

 

Wertebasiertes Investieren, so erläuterte der Morningstar-Experte, hänge immer auch stark vom sozial-gesellschaftlichen Kontext ab. Für viele US-Amerikaner sei ein Investment in Waffenhersteller kein großes Problem, in Frankreich wiederum sehe man die Atomkraft viel weniger kritisch als in Deutschland, wo Investoren sich zum Beispiel nicht so stark an Alkoholproduzenten im Portfolio stören würden als in anderen Staaten. Außerdem müsse nach­haltiges Investieren in Einklang mit Rendite-Risiko-Überlegungen gebracht werden. Würden nur die nachhaltigsten Unternehmen berücksichtigt, könne schnell ein extrem gering diversifiziertes Portfolio entstehen.

 

Ausführlich erläuterte Masarwah auf dem Workshop den Prozess, nach dem Morningstar gemeinsam mit dem Researchunternehmen Sustainalytics Fonds in Hinblick auf Nachhaltigkeit bewertet. Vergeben werden bei dem ESG-Rating bis zu fünf Globen, analog zum Sterne-Rating, mit dem Morningstar das Rendite-Risiko-Profil von Fonds beurteilt. Verfolgt werde ein „Best-in-Class“-Ansatz. „Wir sagen nicht, dass zum Beispiel Energieunternehmen per se schlecht sind“, erklärte Masarwah. „Wir unterscheiden vielmehr nach guten und weniger guten Unternehmen.“

 

Dieses Vorgehen sei aus Gründen der Diversifikation und mit Blick auf das wertebasierte Vorgehen sinnvoll. Das Morningstar Sustainability Rating drücke aus, wie die im Fonds enthaltenen Unternehmen ESG-Risiken und Chancen im Vergleich zu anderen Fonds der­selben Morningstar Kategorie managen. Bewertet würden alle Fonds, nicht nur die, die sich nach Nachhaltigskeitskriterien investieren.

 

Den Anlegern, speziell den Millenials, gehe es darum, Werte auszudrücken, gleichzeitig wollten sie aber auch eine wettbewerbsfähige Rendite erzielen. Nachhaltiges Investieren schade in dieser Hinsicht zumindest nicht, hätten Studien gezeigt. Masarwah: „Die Finanzbranche galt bisher als gesellschaftlich relevant, aber fundamental unsexy. Jetzt bekommen wir vor allem von den Millenials eine ziemlich klare Ansage, die wir befriedigen müssen. Damit haben wir die Chance, in die Mitte der Gesellschaft einzutauchen.“

 

 

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